SR-Wesen / 12.10.2017
BeitragSchiedsrichter
Mehr als Zählen: Schiedsrichter entscheiden in schwierigen Situationen
(Photo: René Zwald)

Schiedsrichter sind die heimlichen Stars der Sportwelt: Sekundenschnell müssen sie reagieren, von Ihrer Entscheidung hängen Sieg und Niederlage ab. Auch im Tischtennis kann es heisse Situationen geben, die nach einer mutigen Entscheidung des Unparteiischen verlangen. Rechtzeitig zu den neuen Ausbildungskursen ab dem 24. Oktober geben wir einen Einblick in die spannende Tätigkeit auf Netzhöhe, mit Quiz am Schluss des Artikels.

Die Regeln im Tischtennis scheinen einfach zu sein. Der Ball muss übers Netz, es wird hin- und her gespielt, bis zum Fehler. Dann gibt es einen Punkt. Was ist aber, wenn der Ball ums Netz herum gespielt wird? Oder – besonders aktuell mit den Plastikbällen – wenn der Ball während des Ballwechsels kaputt geht? Spätestens bei der zweiten Frage gehen die Meinungen der Spieler auseinander. Wenn kein Schiedsrichter anwesend ist, einigen sich die Spieler in Konfliktfällen meist auf eine Wiederholung. Dabei ist das über 100-seitige Regelwerk klar und umfasst für jeden Fall ein eindeutiges Vorgehen.

Richtig entscheiden statt wiederholen
"Spieler kennen die Regeln kaum", bestätigt auch Matthias Hess. Er machte die Ausbildung zum Schiedsrichter 1993 und bildete sich 99 weiter zum Oberschiedsrichter. Heute leitet der Spieler des TTC Affoltern a.A. die OTTV-Kurse für neue Schiedsrichter.
"Am ersten Kursabend bekommen die Teilnehmer das Regelbuch", erklärt Matthias Hess. Die Prüfungsvorbereitung läuft im Selbststudium. An weiteren Kursabenden können Fragen gestellt werden. Die Prüfung selber besteht aus einem schriftlichen Test und einem praktischen Einsatz während eines Spiels.
Für Nationalliga-Vereine ist es Pflicht, einen Schiedsrichter zu stellen. Profitieren tut aber jeder Verein, der einen Schiedsrichter in seinen Reihen hat. So ist gewährleistet, dass die richtigen Kenntnisse über die Spielregeln vorhanden sind. Oberschiedsrichter lernen zudem die Auslosung von gemischten Turnierformeln, die Erstellung von Ranglisten bei Gruppen mit gleichen Resultaten und vieles Weitere, das bei clubinternen Wettkämpfen nützlich ist.

Heisse Situationen
Das Spannende an der Arbeit als Schiedsrichter sind die herausfordernden Situationen. Matthias Hess kann sich an ein Match erinnern, bei dem er einen Spieler bereits mit der gelben Karte verwarnt hatte. In der Verlängerung des fünften Satzes regte der Spieler sich erneut auf und schlug bei 13:13 mit dem Schläger auf den Tisch. "Als Schiedsrichter bleibt mir in dieser Situation nichts anderes übrig, als die gelb-rote Karte zu zeigen", erklärt Matthias Hess. Der fehlbare Akteur nahm die Entscheidung und das verlorene Spiel gelassen, nicht aber seine Mannschaftskollegen. Sie warfen dem Schiedsrichter fehlendes Fingerspitzengefühl vor – obwohl er keinen Spielraum hatte.

Bis zur Internationalen Karriere
Nach bestandener Prüfung können Schiedsrichter Einsätze an Turnieren und Nationalliga-Spielen leisten. Mit zweijähriger Erfahrung ist es möglich, den Oberschiedsrichterkurs zu besuchen und sich anschliessend zum internationalen Richter weiterzubilden. Die Uniform muss sich jeder Schiedsrichter selber anschaffen. Fahrspesen und Einsatzentschädigungen (50 Franken pro Spiel) werden übernommen.

Wer Interesse hat, in die Welt der Regeln und Entscheidungen einzutauchen, kann am nächsten OTTV-Kurs teilnehmen:

Dienstag, 24. Oktober, 19 Uhr, Restaurant Falcone, Birmensdorferstrasse 150, 8003 Zürich
(2-4 weitere Daten in Absprache mit den Teilnehmenden)
Anmeldung an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Schiedsrichter-Quiz

Wie gut weisst du über die Tischtennisregeln Bescheid? Die richtigen Antworten gibt es ganz unten auf der Seite.

1) Der Aufschlag wird ausgelost. Spieler A gewinnt das Los. 

     A Nun muss er Auf- oder Rückschlag oder die Seite wählen.
     B Er kann die erste Wahl dem Gegner überlassen.

2) Beim Aufschlag muss sich der Ball hinter der Grundlinie oder deren gedachten Verlängerung befinden, …

     A …während der ganzen Zeit des Aufschlages.
     B …sobald der Ball den höchsten Punkt überschritten hat.
     C …sobald der Ball mit dem Schläger in Berührung kommt.

3) A spielt gegen X. A schlägt den Ball mit der freien Hand, statt mit dem Schläger. Bevor der Ball nun den Boden oder den Tisch berührt, fängt X ihn mit seiner freien Hand auf.

     A SR gibt Let, da A einen Fehler gemacht hat, aber X eben auch.
     B Punkt für A, da X den Ball nicht so abnehmen darf.
     C Punkt für X, da A keinen vorschriftsmässigen Rückschlag ausgeführt hat.

4) Spieler A verlangt ein Time-out. Nach 20 Sekunden möchte Spieler A weiterspielen. Spieler B möchte sich aber noch weiter beraten lassen.

     A Ein Time-out dauert in jedem Fall 1 Minute. Der SR hat keinen Grund einzugreifen.
     B Der SR muss Spieler B zurück zum Tisch rufen.

5) Spieler A schlägt den Ball unterhalb der Spielfläche und unter der Netzhalterung durch. Der Ball berührt dann die Spielfläche von Spieler B.

     A Für den SR kein Grund zum Eingreifen.
     B Punkt für B

6) Beim Aufschlag schlägt A den Ball unabsichtlich zuerst mit dem Finger, dann mit dem Schlägerblatt (Doppelberührung).

     A Der SR hat keinen Grund einzugreifen.
     B Punkt für den Gegner
     C Let












Richtige Antworten:
1) A
2) A
3) C
4) B
5) A
6) A

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